Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen am 25. November 2018

Die Meldung gestern im Radio war bestürzend. Laut Bundeskriminalamt starben im Jahr 2017 147 Frauen durch häusliche Gewalt ihres Partners oder Expartners. Das bedeutet, jeden zweiten oder dritten Tag stirbt eine Frau in unserem Land durch die Schläge und Tritte dessen, der vorgibt, sie zu lieben. Das ist eine unglaublich hohe Zahl. Es bedeutet sehr wahrscheinlich auch, dass die meisten der verstorbenen Frauen bis zu ihrem Todestag nicht zum ersten Mal geschlagen wurden. Sondern: dass sie über Monate oder Jahre mehrfach geschlagen, getreten, in die Ecke oder zu Boden geschleudert und misshandelt worden waren.

In einem solchen Verhalten liegt kein einziges Quentchen Liebe. Häufig gibt es am Tag danach Beteuerungen und Versprechen des Mannes, dass es ihm leid tue… es nicht wieder vorkäme… Doch Worte und Taten finden leider zu oft nicht zusammen und die Abwärtsspirale von dem, der die Beherrschung verliert und der, die glaubt, sie habe es nicht verdient, gut behandelt zu werden, nimmt ihren unglückseligen Lauf.

140 000 Fälle von Gewalt in der Partnerschaft wurden 2017 angezeigt: Misshandlungen ebenso wie Vergewaltigungen und Stalking. Über 80 Prozent der Opfer sind Frauen, zwei Drittel der Täter sind deutsche Staatsbürger. Jeden Tag versucht ein Mann irgendwo in Deutschland, seine Frau zu töten. Diese Zahlen sind leider nur die Spitze des Eisbergs. Nur jede fünfte Frau sucht sich Hilfe.

Menschen verlieren durch wiederkehrendes Bedroht- und Misshandeltwerden nach und nach das Selbstvertrauen. Angst und Hilflosigkeit nehmen überhand, lähmen den Menschen und verhindern, dass sie sich Unterstützung holen, sich jemandem – etwa in einer Psychotherapie – anvertrauen und wieder die natürliche Überlebenskraft in sich wecken, sich zu schützen. Etwas in ihnen glaubt, der andere würde sich irgendwann ändern. Aber leider ist es nicht so leicht für uns Menschen, uns zu verändern. Schon gar nicht ein Verhalten, für das man sich im Grunde seiner Seele zutiefst schämen würde, käme es denn ans Licht. Doch kann Scham, die endlich ans Licht kommt, eine Erlösung sein. Eine Befreiung. Der erste Schritt zur Veränderung.

Der Kinofilm „Gleißendes Glück“ mit der großartigen Martina Gedeck und Ulrich Tukur (2016) zeigt auf verstörende Weise, wie häusliche Gewalt eine Frau lähmt und klein hält und ihr nach und nach alles nimmt. Sogar manchmal das Leben. Aber wir haben nur dieses eine Leben in unserem Körper.

350 Frauenhäuser und 600 Beratungsstellen in Deutschland bieten ca. 30.000 Frauen im Jahr Hilfe und Schutz.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ in 17 Sprachen ist kostenlos, anonym und das ganze Jahr rund um die Uhr besetzt. Die Anrufe werden auf der Telefonrechnung nicht angezeigt. Die Nummer lautet: 08000- 116 016. Wer lieber schreibt: Online-Beratung gibt es auf www.hilfetelefon.de

Lasst uns gemeinsam das Schweigen brechen. Jede und jeder, die zuhause geschlagen und misshandelt werden, sei es Kind, Mann oder Frau, fasst euch ein Herz und traut euch, es jemandem zu erzählen. Ruft jemanden an. Sucht euch eine Adresse einer Beratungsstelle heraus. Ihr seid nicht allein. Es gibt viele, die betroffen sind und es gibt viele, die euch helfen können. Ihr habt ein Recht darauf, gut behandelt zu werden, auch wenn ihr vielleicht irgendwo in eurem Inneren nicht mehr so recht daran glaubt. Weint eure Tränen nicht mehr allein. Bitte!